„Bambus“ hat das Rezept für die Stärkung sozialer Einflussnahme und Teilhabe

Als die Regierung ankündigte, feste Häuser an Land für Tausende Vietnamesen zu bauen, die auf Hausbooten lebten, schien für viele Familien ein Traum wahr zu werden: ein Ausweg aus ihrem harten Leben. Zugleich standen sie jedoch vor Herausforderungen. Um ihr Überleben zu sichern, blieb vielen Familien keine Wahl: ihre Kinder mussten auf der Straße arbeiten, obwohl sie dort von Ausbeutung und Missbrauch bedroht sind. 

Jetzt hat sich die TUI Care Foundation mit Plan International zusammengeschlossen, um benachteiligten jungen Menschen und ihren Familien in Huế einen Ausweg aus der Armutsfalle aufzuzeigen. Ziel des Projekts ist es, jungen Menschen eine Berufsausbildung und Praktika zu ermöglichen, damit sie eine aussichtsreiche Berufslaufbahn einschlagen können, und zugleich ihre Familien bei ihrer Finanzplanung zu unterstützen und sie zu ermutigen, ihre jüngeren Kinder weiterhin zur Schule schicken.

Das Projekt

Die Bewohner der Hausboote auf dem Fluss Huong in der Provinz Thua Thien Huế hatten ein hartes Leben. Ganze Familien lebten dichtgedrängt auf kleinen Booten und wurden lediglich durch eine Plastikfolie, die ein Dach ersetzen sollte, vor den Elementen geschützt. Eine Plastikfolie schützt jedoch nicht vor Kälte, und daher fürchteten die Bewohner, die sich nirgends wärmen konnten, keine warme Kleidung hatten und nicht einmal waschen konnten (der Fluss war zu kalt) kaltes Wetter.

Als daher die Regierung neue Wohnblöcke für 7.000 „Boat People“ baute, kam Hoffnung auf ein besseres Leben auf. Die Straßen von Huế City waren jedoch nicht mit Gold gepflastert. Viele Familien leben mit niedrigen Löhnen, Arbeitslosigkeit und erdrückenden Schuldenbergen. Vietnam ist kein reiches Land – sein BIP pro Kopf liegt bei 2.343 US Dollar, verglichen mit 44.470 USD in Deutschland, und es gibt nur wenige Arbeitsplatze und keine Arbeitsbeschaffungsprogramme. Bestehende Schulungsprogramme sind häufig schlecht auf die Bedürfnisse der Jugendlichen und der Arbeitgeber zugeschnitten. Viele Schüler müssen die Schule abbrechen, um Arbeit zu finden, beispielsweise auf dem Markt, wo sie Snacks verkaufen oder Müll sammeln. Die damit verbundenen Gefahren liegen auf der Hand: die arbeitenden Kinder, insbesondere Mädchen, sind von Missbrauch, Suchtproblemen und Ausbeutung bedroht.

Die TUI Care Foundation arbeitet mit Plan International darauf hin, diesen Kindern eine Chance auf eine bessere Zukunft zu erschließen. Sie bietet 350 benachteiligten jungen Menschen eine Berufsausbildung und Praktika. Huế ist ein aufstrebender Touristenort, so dass viele von ihnen für Arbeitsplätze in der Tourismusbranche ausgebildet werden und praktischen Erfahrungen bei der Mitarbeit in einem Restaurant sammeln können.

Die viermonatige Schulung umfasst Fachunterricht und Kurse in einem lokalen Ausbildungszentrum, die sich über zweieinhalb Monate erstrecken. Hinzu kommt ein bezahltes sechswöchiges Praktikum im Schulungsrestaurant „TRE“ – dem vietnamesischen Wort für „Bambus“ - in Huế. Die praktischen Erfahrungen, die die Auszubildenden sammeln können, helfen den jungen Frauen und Männern, einen guten und festen Arbeitsplatz zu finden.

Das Restaurant bietet ein asiatisches und ein europäisches Menü an. Es richtet sich an Besucher, die die lokale Küche probieren möchten, und wird täglich voraussichtlich 150 bis 200 Gäste begrüßen. Seine Einnahmen werden einen Teil der Ausbildungskosten decken, und es wird erwartet, dass das Restaurant sich innerhalb von drei Jahren selbst tragen wird. Dadurch wird die Initiative auf lange Sicht weiteren benachteiligten Jugendlichen Unterstützung bieten und Chancen erschließen.

Das Projekt umfasst auch weitere Maßnahmen zur Unterstützung der jungen Menschen und ihrer Familien. Mehr als 20 Selbsthilfe-Spargruppen wurden gegründet, um die Familien zu unterstützen, ihre wirtschaftliche Absicherung zu stärken – neben dem Sparen liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Vermittlung von Kompetenzen für die Finanzplanung – und 160 Eltern arbeitender Kinder haben Kleinkredite erhalten. Stipendien und Lernmittel werden bereitgestellt, damit die Kinder weiterhin die Schule besuchen können, und für nahezu 2.000 Kinder sind sichere öffentliche Orte wie Spielplätze geschaffen worden. Zugleich werden Maßnahmen zur Sensibilisierung für den Schutz von Kindern durchgeführt: die Kinder, die an dem Programm teilnehmen, werden auch über Gewalt gegen junge Menschen aufgeklärt, und die lokale Regierung und Wirtschaftsinstitutionen erhalten Daten zu Gefahren im Zusammenhang mit dem Schutz von Kindern, er Geschlechterungleichheit und der wirtschaftlichen Situation benachteiligter Familien.

Ly, eine 17-Jährige, die im Rahmen des Projekts eine Ausbildung als Friseurin absolviert, erklärt: „Ich kann jetzt meine Familie unterstützen und durch meinen Einsatz als Freiwillige anderen jungen Menschen helfen. Bei den Angeboten für Kinder habe ich eine Aufführung mit Straßenkindern vorbereitet und vor Hunderten von Menschen ein Lied gesungen. Ich bin stolz auf mich und habe an Selbstbewusstsein gewonnen.“

 

Der Projektpartner

Plan International ist ein internationales Kinderhilfswerk, das in 51 Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika tätig ist. Plan setzt sich dafür ein, Armut zu reduzieren, Kinder vor Gewalt zu schützen und ihnen Zugang zu Bildung, Ausbildung und einer sexuellen Gesundheitsversorgung zu eröffnen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Gleichberechtigung und Chancengleichheit für Mädchen.

PROJEKTPARTNER

Tre Restaurant Vietnam